Der 8. Mai ist kein "Tag der Befreiung"
Heute ist der 8. Mai – der 75. seit Kriegsende und daher ein besonderer.
Jegliche historische Schlüsseldaten in Verbindung mit Zweitem Weltkrieg und Nationalsozialismus sind politisch vermintes Terrain und potenziell die Todeszone der Geschichtspolitik. Wer sich hier einen Fehltritt leistet, kann sich blitzartig um Stellung, Karriere und Renommee bringen. Die Beispiele sind Legion.
Allerdings sind Fehltritte auch konstruierbar und wir sehen, dass sie als politische Waffen eingesetzt werden. Außerdem ist heutzutage viel wichtiger WER etwas sagt und nicht WAS er oder sie sagt.
Aber das, was die AfD tatsächlich sagt, ist offenbar nicht anstößig genug. Man muss schon böswillig die Aussagen verdrehen, damit der gewünschte Skandal dabei herauskommt.
Das jüngste Beispiel lieferte die Debatte zum Antrag der Linken im Hessischen Landtag am 6.5. Ähnliche Anträge liefen in mehreren Parlamenten, auch im Bundestag.
Dass die Linke ihr verbohrtes Geschichtsbild damit zu stützen sucht, darf nicht überraschen, aber die Infamie, mit der der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Günter Rudolph, unserem parlamentarischen Geschäftsführer, Dr. Frank Grobe, Unsäglichkeiten in den Mund legte, muss der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Ausgangspunkt sollte die tatsächliche Rede Dr. Grobes sein:
Auf sehr ausgewogene und angemessene Weise hat er die schmerzhafte Ambivalenz des Kriegsendes für viele Deutsche zum Ausdruck gebracht und damit der einseitigen Vereinnahmung dieses historischen Datums als „Tag der Befreiung“ widersprochen.
Weil Rudolph daran nichts finden konnte, musste mal wieder Höcke herhalten. Aber das „Denkmal der Schande“ reichte Rudolph auch nicht. Mehrfach, sogar nachdem wir ihn durch Zwischenrufe korrigierten, legte er Höcke das Wort „Schandmal“ in den Mund, was natürlich eine andere, deutlich abwertende Konnotation hat, sonst hätte es Rudolph ja nicht gemacht.
Zitat: „,Denkmal der Schande‘, Sie wiederholen es an der Stelle. Wieso ist ein Denkmal, was an ermordete Juden erinnert, ein Schandmal?“
Als Augstein vom Mahnmal der Schande und sogar Schandmal sprach und schrieb, störte sich niemand daran, bei Björn Höcke wird aus dem „Denkmal der Schande“ ein staatsgefährdender Akt. Zugegeben: Augstein ist über 20 Jahre her und vielleicht war die Diskussionskultur „damals“ noch eine, die diesen Namen auch verdiente.
Rudolphs Tirade mündete daraufhin in eine kalkulierte Entgleisung:
„Wissen Sie, Sie haben aus der Geschichte, 75 Jahre nach dem Ende der Nazidiktatur, nichts gelernt. Das Einmalige an der Nazidiktatur war das fabrikmäßige Umbringen von Menschen, in diesem Fall von Juden und anderen, die den Nazis nicht passten. Wie man so mit Menschen umgehen kann und wie man auch nach 75 Jahren eine solche ideologische Position vertreten kann, ist ungeheuerlich und unfassbar. Solange diese Position noch da ist, müssen wir aufklären und haben wir noch viel zu tun."
Und damit hat uns Rudolph ungewollt schon nah an den Kern der Debatte geführt:
Formal dreht sich diese Debatte um die Frage, ob der 8. Mai dauerhaft ein Feiertag werden soll. Im Kern geht es aber um die inhaltliche Bewertung, ob der 8. Mai 1945 ein Tag der Befreiung war oder als Tag der totalen Niederlage empfunden wurde.
Die Frage ist aber falsch gestellt, denn er war natürlich beides. Und es waren keineswegs nur Nazis und ihre Kollaborateure, die vertrieben, beraubt, vergewaltigt oder ermordet wurden.
Trotzdem soll diese Frage jetzt zum „Nazometer“, zum Lackmustest des Gesinnungs-TÜV werden. Wer die „Befreiungsthese“ ablehnt, der muss ja wohl ein Nazi sein!?
So einfach, so billig, so politisch korrekt, so niederträchtig geht es im heutigen Politikbetrieb zu!
Trotzdem muss auch und gerade die AfD trotz allen Gegenwindes in dieser Frage Stellung nehmen, weil die Diskussion mittlerweile auf eine komplett schiefe Ebene geraten ist und von den vermeintlich bürgerlichen Parteien in der Sache kein ernsthafter Widerstand zu erwarten ist.
Die Merkel-CDU ist nicht nur personell ausgezehrt, sondern auch inhaltlich völlig entkernt. Diejenigen, die es besser wissen, halten aus Opportunismus die Klappe, es dominieren daher auch in der CDU die politisch korrekten Lautsprecher, die sich von ihren Links-grünen nur durch Beherrschung der Grundrechenarten unterscheiden. Und die FDP…ist halt die FDP.
Die Linke warf der AfD-Fraktion in der Debatte am 6.5 vor, wir wollten aus deutschen Tätern Opfer machen. Niemand, der sich ohne ideologische Scheuklappen die Rede meines Kollegen Dr. Frank Grobe ansieht, kann das im Ernst behaupten.
Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Die Linke versucht, aus deutschen Opfern Täter zu machen. Deutsche als Tätervolk. Das ist blanker Rassismus, weil er jeden geborenen Deutschen von Geburt an mit einem untilgbaren Makel versieht, den man niemals ablegen kann.
Schuldig durch Geburt – das ist genau die Definition von Rassismus!
In Anerkenntnis des Minenfelds, der böswilligen Verlogenheit von Parteien und Medien, wenn es um die AfD geht, muss sich die AfD dennoch der Frage um die konkrete Bewertung des 8. Mai stellen. Um sie zu beantworten, ist aber nicht unsere heutige Perspektive entscheidend, also der von Menschen mit der „Gnade der späten Geburt“ (Helmut Kohl dixit), sondern diejenige der Zeitzeugen.
Dazu zwei Schlaglichter, welche die Haltung der „Befreier“ zum Ausdruck bringen:
Die FAZ zitiert in ihrer heutigen Ausgabe die britische Nachrichtenagentur Reuters: „Deutschland ist ein unterworfenes, erobertes und besetztes Land, das keine unabhängige Existenz hat.“ Klingt das nach Befreiung?
Aber was ist schon eine Nachrichtenagentur, entscheidend und erhellend können doch nur offizielle Dokumente der alliierten Entscheidungsträger sein, oder?
Werfen wir dazu einen Blick auf JCS 1067 „Direktive an den Oberbefehlshaber der US-Besatzungstruppen in Deutschland“ aus dem April 1945. Dort lesen wir in Artikel 4 zu „Grundlegende Ziele der Militärregierung in Deutschland“:
„Deutschland wird nicht besetzt zum Zwecke seiner Befreiung, sondern als ein besiegter Feindstaat. Ihr Ziel ist nicht die Unterdrückung, sondern die Besetzung Deutschlands, um gewisse wichtige alliierte Absichten zu verwirklichen. Bei der Durchführung der Besetzung und Verwaltung müssen Sie gerecht, aber fest und unnahbar sein. Die Verbrüderung mit deutschen Beamten und der Bevölkerung werden Sie streng unterbinden.“
Das heißt, die „Befreiungsthese“ wird seitens der Alliierten selbst explizit verneint!
Die Perspektive der Befreiten kann hier nur gestreift werden, aber ein paar Sätze müssen sein:
- In den letzten Monaten des Krieges starben mehr deutsche Soldaten als in den fünf Jahren zuvor. Nach der geglückten Invasion der Normandie hatten die Alliierten gar kein Interesse mehr, das Schlachten zu beenden. Eine gewagte, gleichwohl plausible These lautet, dass selbst ein gelungener „20. Juli“ am weiteren Kriegsverlauf nicht viel hätte ändern können.
- Militärisch völlig sinnlos erfolgten Bombardierungen ziviler, militärisch und industriell unbedeutender Ziele in Westdeutschland, die die man nur als Terror gegen die Zivilbevölkerung bezeichnen kann.
- Entgegen der Genfer Konvention von 1929 wurden deutsche Kriegsgefangene auch durch die Westalliierten bis lange nach Ende der Kampfhandlungen unter fürchterlichen Bedingungen festgehalten, beispielsweise in den Rheinwiesenlagern.
- Auch wenn der Bombenterror endete, war die Versorgungslage der Bevölkerung lange Zeit extrem schlecht. Hunderttausende starben allein im Hungerwinter 46/47.
- Die millionenfachen barbarischen Gräuel an der deutschen Zivilbevölkerung, wie auch in mittel- und osteuropäischen Staaten, durch die Rote Armee kann ebenfalls niemand leugnen.
- Auch das Lagersystem wurde durch die Sowjetunion weiterbetrieben, und nicht wenige Sozialdemokraten fanden darin den Tod, ebenso Mitglieder und Anhänger von Parteien, die Vorgängerorganisationen von CDU und FDP waren. Diese Menschen fühlten sich sicherlich nicht befreit!
Ist es Nazi-Propaganda oder revisionistisch daran zu erinnern? Nein!
Ist es eine Relativierung des Holocausts? Nein!
Es ist keineswegs Geschichtsklitterung an das Leid der Millionen unschuldigen deutschen Opfer zu erinnern, es ist Geschichtsklitterung, das nicht zu tun!
Das heißt, der Versuch, den 8. Mai als „Tag der Befreiung“ zu zementieren, wird der Geschichte keinesfalls gerecht. Ganz im Gegenteil wird damit schäbige „Hierarchisierung von Opfern“ betrieben und damals wie heute gelten deutsche Opfern den Mächtigen nicht viel.
Warum wird dennoch von „Links-grün“ dieses Ziel verfolgt?
Jedenfalls NICHT, um aus den Untaten der Vergangenheit die wichtigen und richtigen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen! Es geht eben nicht, um die Stärkung der Demokratie und Abwehr des Totalitarismus heute, sondern um parteipolitische Profilierung im „Wer bietet mehr?“ der verspäteten Hitler-Besieger.
Der „Tag der Befreiung“ muss auch für viele Ostmitteleuropäer wie bitterer Hohn klingen. Über viele Völker legte sich der Eiserne Vorhang, die bürgerliche Intelligenzija wurde durch Kommunisten verschleppt und geradezu ausgerottet. Sie wurden „zu Tode befreit“.
Strategisch und geschichtspolitisch versucht die politische Linke diese „kleinen Blutstropfen“ auf ihrer weißen Weste vergessen zu machen. Aber noch schlimmer ist die parteipolitische Instrumentalisierung! Blindheit für kommunistische Opfer wäre bei historischen Analphabeten zwar nicht entschuldbar, aber immerhin nachvollziehbar.
Aber tatsächlich geht es darum, die damaligen Opfer der Nazis für politische Ziele heute zu instrumentalisieren.
Die deutsche Geschichte ist besonders reich an Ambivalenzen und das gilt gerade für den 8. Mai. Die Komplexität und Tragik der Geschichte verbietet aber geschichtspolitische Instrumentalisierungen.
Eine Aufwertung des 8. Mai als Gedenktag ist daher vielleicht sogar geboten, aber ganz sicher nicht als Tag der Befreiung!